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Klassik-Jazz-Crossover
Der Musicmaker

 

Komponist und Sample-Archiv: Lalo Schifrin

Er zählt zu den bekanntesten Komponisten für Filmmusik. Lalo Schifrin hat die Themen zu Kinoerfolgen wie "Dirty Harry" oder "Bruce Lee - Der Mann mit der Todeskralle" geschrieben. Sein Thema zur TV-Serie "Mission: Impossible" (deutsch: "Cobra, übernehmen Sie!") dürfte täglich von Millionen Lippen durch die Weltgeschichte gepfiffen werden, so bekannt ist es und so einprägsam. Doch Schifrin ist vielseitig. Derart vielseitig, dass er sich schlicht als "Musicmaker" bezeichnet: In den Sechziger Jahren arrangierte er für den Jazz-Trompeter Dizzy Gillespie, inzwischen sitzt er am Mammut-Projekt Jazz Meets The Symphony. Sein Werk wird längst auch von Popstars wie Madonna geplündert. Im Juni 2002 ist Lalo Schifrin 70 Jahre alt geworden.

Geht es um Filmmusik, zählt Lalo Schifrin längst zu den Klassikern. Und mit Klassik beginnt auch seine Karriere. Schon in Buenos Aires , wo er am 21. Juni 1932 geboren wird, nimmt er täglich Rationen von Musik auf wie andere Kinder Milch. Denn sein Vater Luis Schifrin zählt zu den Mitbegründern des Philharmonischen Orchesters der Stadt. So muss es schon ein renommierter Komponist wie Olivier Messiaen sein, bei dem Schifrin zu Beginn der Fünfziger Jahre in Paris studiert. Es ist eine aufregende Zeit, die Schifrin bis heute prägen soll. Von Messiaen ist Schifrin derart beeindruckt, dass er am Sonntagmorgen regelmäßig Messen besucht, in denen der Professor auf der Kirchenorgel spielt. Gleichzeitig beschäftigen sich die Musikstudenten seiner Zeit mit der Musique Concrète, in der konkret vorgefundene Alltagsgeräusche in die Kompositionen mit einfließen. Und sie hören Jazz.

Holywood ruft an

So führt Schifrin in Paris ein Doppelleben. Seinem Professor verschweigt er, nächtliche Jam-Sessions in coolen Bars zu besuchen. Gleichzeitig hat er Angst, für uncool zu gelten, würde er seinen Jazz-Kollegen von seinen Gottesdienst-Besuchen erzählen. Zurück in Buenos Aires hinterlässt zunächst der Jazz seine Spuren. Schifrin gründet eine Big Band. Von dieser ist Dizzy Gillespie nach einem Konzert so begeistert, dass er Schifrin bittet, doch Piano in seiner Band zu spielen. Und so komponiert, arrangiert und spielt der Argentinier zwischen 1958 und 1962 in der Band jenes Mannes, den Schifrin für einen der "wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts" hält.

In jener Zeit wird Hollywood auf Schifrin aufmerksam: Die Aufträge aus der Filmstadt häufen sich. Schifrin zieht nach Los Angeles und schreibt Scores für die Filmproduktionen, bis er zu einem der bekanntesten Filmkomponisten der Gegenwart wird. So vertont er Bullitt mit Steve McQueen (1968) und Dirty Harry mit Clint Eastwood (1971). Auch die Themen der TV-Serien Starsky & Hutch und Planet Der Affen stammen aus seiner Feder. Zweifelsohne liefert bis heute eine weitere Schifrin-Melodie den größten Reiz zum Mitpfeifen: Das Thema der Serie Mission: Impossible (deutsch: Cobra, Übernehmen Sie!"). Es wurde für den Soundtrack des gleichnamigen Hollywood-Movies mit Tom Cruise im Jahr 1996 von U2 remixt.

Beliebte Sample-Quelle

Die Neubearbeitung durch die Superstars ist bei weitem nicht der einzige Berührungspunkt zwischen Pop und Schifrin. Im Zuge des Easy Listening-Revivals der Neunziger Jahre wurden insbesondere seine Alben aus den Sechziger und Siebziger Jahren verehrt. Zudem dient der Komponist längst als Quelle, aus der HipHop und Lounge-Musik ihre Beats und Bässe sampeln. Alleine aus seiner berühmtesten Komposition haben bereits A Tribe Called Quest und die Wiseguys ihre Samples gezogen. Oh, und Cypress Hill in Stoned Is The Way Of The Walk und Portishead in Sour Times. Auch Madonna hat sich für Forbidden Love schon beim Mission:Impossible-Thema bedient.

Schifrin freut sich über diese Wiederverwertung seiner Ideen, schließlich zeugen sie vom Respekt gegenüber seinem Schaffen. Er selber beschäftigt sich seit 1993 mit der Serie Jazz Meets The Symphony. Auf seinem eigenen Label Aleph Records sind bereits fünf Alben unter dieser kompositorischen Vorgabe erschienen. Es hat den Charakter eines Rückblicks, wenn der Maestro Vorbilder wie Bix Beiderbecke oder Antonio Carlos Jobim porträtiert. In der Jazz Meets The Symphony-Serie nämlich wechseln von einem Jazz-Quartett gespielte Passagen zu Teilen, die von einem Symphonie-Orchester gespielt werden. Die Zeiten, in denen der Musicmaker beide Musik-Leidenschaften voreinander verstecken muss, sind längst vorbei.

Schifrin hat u.a. gearbeitet mit

Dizzy Gillespie, Olivier Messiaen, Stan Getz, Ella Fitzgerald, Placido Domingo, 3 Tenöre, WDR Big Band Köln, London Philharmonic Orchestra

Einige Schlüsselalben von Lalo Schifrin

Gillespiana [1960]
Cool Hand Luke[1967]
Bullitt [1968]
Bruce Lee - Der Mann mit der Todeskralle (orig. "Enter The Dragon") [1973]
Black Widow [1976]
The Best Of Mission: Impossible [1996]
Dirty Harry Anthology [2000]
Intersections: Jazz Meets The Symphony 5 [2001]