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Hillbilly
Von den blauen Bergen kommen wir

 

Hillbilly: Mit Fiddels und Banjos aus den Appalachen

Nein, die ländliche Musik der USA heißt nicht schon seit jeher "Country". Gefiddelt, geyodelt und das Banjo gezupft wurde schon, bevor sich Hank Williams oder ein heutiger Star wie Johnny Cash den Cowboyhut aufsetzten. Bis in die Dreißiger Jahre hinein nannte man diese Musik noch "Hillbilly". Sie kam, wie zum Beispiel der Bluegrass eines Bill Monroe und das Yodeling einer Patsy Montana, aus dem Gebirgszug der Appalachen.

Einer der Gründe, warum John Denver 1971 den Song Country Roads millionenfach verkaufen konnte: Das Lied führt mitten hinein in die Entstehungsgeschichte des Country. Country Roads/ Take Me Home/ To The Place/ I Belong/ West Virginia/ Mountain Mama. Denn dieses Gebirge West Virginias, die "Mountain Mama", das sind die Appalachen. Aus ihnen kommt jene Hillbilly Music, die in den USA auch gerne als "Old Time Music" bezeichnet wird. Aus dieser vornehmlich live und instrumental gespielten Musik der "Hinterwäldler" (= Hillbillies) ging die zunehmend auf Schallplatte gebannte, stark auf Solostimmen zugeschnittene Countrymusik hervor. All das passierte in der ersten Hälfte des 20-Jahrhunderts.

Die Musik der Appalachen beginnt Mitte der 20er Jahre, größere Verbreitung zu finden. Denn da kommt ein Prediger nicht rechtzeitig zu seiner Show, die via Radio WSM aus Nashville, Tennessee - einem weiteren Appalachen-Staat - ausgestrahlt wird. Statt dessen spielt Senderchef George D. Hay die Musik des Geigers Uncle Jimmy Thompson. Und die Reaktionen auf die Traditionals des Fiddlers zeigen: das Publikum will unbedingt mehr davon. So entsteht die Sendung "The Grand Ole Opry", wörtlich übersetzt "Die große alte Oper". Bis heute wird sie gesendet, inzwischen längst USA-weit. Größter Wunsch jedes Country-Musikers ist, einmal in dieser Show gespielt zu werden.

Große Oper, alte Oper

Die Streicher-Bands, die den Programmschwerpunkt der frühen "Grand Ole Opry" bilden, spielten viele Traditionals. Mit den Hauptinstrumenten Banjo und Fidel interpretierten die Appalachen-Gruppen Carter Family oder Kentucky Colonels Standards, die aus den angelsächsischen und mitteleuropäischen Herkunftsländern mitgebracht worden waren. Aufnahmen der ersten Stars wie Uncle Dave Macon sind heute schwer aufzutreiben. Compilations wie die North Carolina Banjo Collection oder der Rough Guide To Appalachians verschaffen aber einen Überblick über diese Musik.

Einer weiteren tradierten Musik aus dem Gebirgszug, der sich über 2600 km von Neufundland im Norden bis nach Alabama im Süden durch den Osten Nordamerikas erstreckt, hört man direkt ihre alpine Herkunft an. Jimmie Rodgers und Patsy Montana gehören zu den Stars des Yodeling. Dabei wurde dem String Band Sound, gerne auch mal einem Blues, ein Jodeler beigemischt, wie man ihn aus Österreich, der Schweiz und aus Bayern kennt. Da hießen Gruppen schon mal De Zurik Sisters und Stücke Sauerkraut.

Die Musik der Appalachen lebt bis heute weiter. Mittlerweile trennt man sie mit dem Begriff "Bluegrass" von der neueren Country & Western Music. Eingeführt wurde Bluegrass von Bill Monroe aus Kentucky. Da in den Dreißiger Jahren durch den Einfluss Hollywoods eindeutige Images immer wichtiger wurden, setzte sich der einsame Cowboy immer mehr als Klischee des weißen Musikers durch. Somit konzentrierte sich auch die Musik immer stärker auf den Sänger. Eine Tradition, die durchaus in authentischen Cowboy-Songs, wie sie in den frühen 30ern durch Jules Verne Allen oder die Cartwright Brothers (ja!) interpretiert wurden, ihren Ursprung hatte.

Als Monroe 1939 seine Bluegrass Boys gründet, kann dieser Schritt duchaus als Revival bezeichnet werden. Denn dem immer mächtiger werdenden Solosänger mit Hut setzen die Bluegrass Boys wieder die tradierten Tanzlieder und Balladen der Appalachen entgegen, nur dass sie mit einem stark synkopierten Rhythmus versehen waren. Dank Monroes Band folgen traditionsbewusste Gruppen wie die Stanley Brothers. Gerade auch bei einem studentischen Publikum ist Bluegrass bis heute beliebt. Zuletzt zeigte dass der Erfolg des Soundtracks zum Coen-Brüder-Film Oh Brother, Where Art Thou. Er wurde im Jahr 2000 für den Grammy nominiert und erwies sich als Verkaufsknüller.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Fiddlin' John Carson, Carl Sprague, Jim & Jesse, Earl Scruggs, Roy Acuff, Uncle Dave Macon, Delmore Brothers

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Verschiedene: Rough Guide To Appalachians [2002]
Jimmie Rodgers: Standing On The Corner [2002]
The Carter Family: Wildwood Flower [2001]
Bill Monroe: Father Of Bluegrass [2000]
Verschiedene: North Carolina Banjo Collection [1998]
Verschiedene: American Yodeling 1911 - 1946 [1998]
Del McCoury: Deeper Shade Of Blue [1995]
Kentucky Colonels: Long Journey Home [1964]
Stanley Brothers: Riding That Midnight Train [1964]