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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

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Deutscher Country
Songs von drüben

 

Country in Deutschland: Kleine Szenen, ein paar Stars

Neben all seinen Stars wie Gunter Gabriel, Truck Stop oder Tom Astor lebt Country in Deutschland vor allem in vielen kleinen Bands, Bars und Festivals. Inzwischen bietet die Musik auch hierzulande genügend Platz für den so genannten Alternative Country von Bands wie Cow oder Fink.

Zunächst ist Country in Deutschland vor allem eines: eine importierte Musik. Und wenn die Biografie der Fantastischen Vier betitelt ist mit "Die letzte Besatzermusik", so gehört Country mit zu den ersten der aus den USA eingeführten Musikstilen. Denn bereits die frühen Schellack-Platten von der Carter Family oder Jimmy Rodgers sind um 1930 in Deutschland erhältlich. Der späteren Cowboyhut-und-Ranch-Begeisterung im Land macht erst einmal die Ideologie des Nationalsozialismus einen Strich durch die Rechnung.

Nach dem Sieg der Aliierten und dem Siegeszug von Rock'n'Roll und Popkultur sprießen sie in DDR wie BRD aus dem Boden, die Country & Western-Clubs mit ihren Unterabteilungen Square Dance, Reiten, und Musik. Sympathie für und Interesse für den Staat USA spielt da ebenso eine Rolle wie archetypische Vorstellungen vom Cowboy (und, nicht zu vergessen, auch "Indianer") als Inbegriff der Freiheit.

Befeuert werden Interesse und Fantasie vor allem in den ersten Nachkriegsjahrzehnten von Soldatensendern wie AFN, die mit Musik aus der Heimat die US-Truppen bei Laune halten sollen. Ersten Aktivisten einer Country-Kultur in Deutschland wie etwa der in Bayern lebende Entertainer, Country Songwriter und Country Music Historiker Tex Warner dienen diese Army-Sender als Informationsquelle.

Die Cowboys von der Waterkant

Erste Einverleibungen schlagen sich nieder: Gitte singt Ich will 'nen Cowboy als Mann, und Da sprach der alte Häuptling wird zum Karnevalsknüller. Diese Schlager legen die Spuren zu den 70er Jahren, in denen dann so etwas wie "deutscher Country" entsteht - im Sinne hierzulande geschriebener Songs, die zum Teil auch in deutscher Sprache verfasst werden. Die Cowboys von der Waterkant Truck Stop imitieren vor allem die bekannten Stereotypen wie den Cowboy mit Hut und Reiterhose und landen 1977 einen Superhit mit Ich möcht' so gern Dave Dudley hör'n. Das Lied fungiert als Türöffner für das Sextett, das wohl in Sachen Verkäufen die erfolgreichste Band ihres Metiers in Deutschland darstellt. Ihr Hamburger Kollege Gunter Gabriel dagegen verlässt sich nicht auf Trucker- und Western-Herrlichkeit: mit Songs wie Hey Boss, ich brauch' mehr Geld interpretiert er Country als Musik des kleinen, arbeitenden Mannes. Die Trias der großen Country-Stars des Landes macht schließlich Tom Astor komplett, der mit seinen Songs oft nahe am Schlager landet, aber auch der erste Deutsche ist, der in der ehrwürdigen "Gran' Ole Opry" in Nashville singen darf.

Die Country Drei und ihre Alternativen

Doch auch wenn diese Country Drei regelmäßig im Fernsehen und, wie Gabriel besonders oft, in der Boulevard-Presse auftauchen, dann kann das nicht den Umstand mindern, dass Country in Deutschland in erster Linie aus regionalen Interessen-Kulturen besteht. Wenn sie sich auf großen Festivals in Selb oder in Northeim trifft, dann mag da mal eine durch Hit-Coverversionen halbwegs bekannte Band wie The Twang aus Braunschweig dabei sein, doch Gruppen wie etwa Silverwood sind in der breiten Öffentlichkeit kaum ein Begriff - und doch Stars ihrer Szene.

Nicht zuletzt spielt auch in Deutschland der so genannte Alternative Country eine immer größere Rolle. Mit Bands wie Cow oder Fink und Compilations wie Land Of The Kantrie Giants machen sich Musiker und Musikerinnen an die Arbeit, das Erbe von Folk und Country mit einer Indie-Haltung zu verbinden und den Fokus ihres Spiels ganz auf die Musik zu legen.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Cajun Roosters, Rüdiger Karahn, Westwärts, Gitty Fisher, Arizona, Crossfire, The Highway Gamblers

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Tom Astor: Flieg, junger Adler [1993]
V.A.: Deutsche Country- und Trucker Songs [1994]
V.A.: Land Of The Kantrie Giants [2000]
Gunter Gabriel: Hey, Boss? [2000]
Emsland Hillbillies: Endlich/ Bauer Barnes Mühle [2000]
Cow: Feeding Time [2002]
Truck Stop: 30 Jahre [2003]
Silverwood: My Side Of Town [2004]