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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

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Country
"Gottes eigenes Land"

 

Country: Von der Volks- zur Popmusik der USA

Country ist Popmusik, die aus Volksmusiken der USA hervor geht. Mit Roy Rogers entstehen Klischees des singenden Cowboys, die in den 50er Jahren Konkurrenz erhalten: Hank Williams und Chet Atkins machen Nashville zur Music City. In den 60ern und 70ern etablieren sich Bakersfield mit Merle Haggard oder Austin dank Willie Nelson zu weiteren Zentren des Country.

Im Laufe der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts geht aus Hillbillly, der Volksmusik der USA, eine neue populäre Musik hervor. "Populär" meint hier im Gegensatz zur Volksmusik: "Country Music" wird landesweit über die noch neuen Medien Rundfunk und später dann auch TV vermarktet. Sie benötigt für diese Vermarktung eindeutige Bilder, und so setzt sich allmählich Country als Gesangsmusik durch, während zuvor ein Großteil der traditionellen Musiken wie etwa Bluegrass rein instrumental gespielt und auch nur über bestimmte Regionen verbreitet wurde.

Ein Klischee prägt bis heute die Bildsprache des Country, auch was den Export nach Europa betrifft: Das Bild vom einsamen, aber glücklichen Cowboy. In den Sonnenuntergang reitend singt er seine Lieder. Kaum eine Best Of-Country-Compilation kommt ohne derartige Bilder aus. Dabei rührt dieses Image stärker aus Western-Movies der 30er und 40er Jahre, für die Stars wie der junge John Wayne von Profi-Sängern gedoubelt werden.

Diese Songs haben kaum etwas mit den ursprünglichen Cowboy-Songs zu tun, wie sie noch in den frühen 30ern von Jules Verne Allen oder den Cartwright Brothers interpretiert wurden. Die Westernfilme mit ihren singenden Cowboys aber werden derart beliebt in den USA, dass aus ihnen neue Countrystars hervor gehen. Die bekanntesten sind Roy Rogers und seine Vokalgruppe Sons Of The Pioneers.

Transparente Streicher

Gegen Ende der 40er Jahre zieht die Western-Welle ein in das sich als Massenmedium formierende TV. Gleichzeitig entwickeln sich durch die fortgesetzte landesweite Verbreitung immer neue Interpretationen von Country Music. Nach den Erfolgen eines Hank Williams prägt in den 50er Jahren ein Gitarrist, Produzent und A&R-Manager in Personalunion den Country: In Nashville, Tennessee kultiviert Chet Atkins das Finger Picking und beeinflusst so nachfolgende Gitarristen wie Mark Knopfler von den Dire Straits. Er produziert Stars wie Elvis und entdeckt neue Talente wie Connie Smith.

Vor allem aber definiert Atkins ein ganzes Sound-Design. Er lässt die typischen Instrumente wie Dobro, Violine und Steel-Gitarre schmucklos spielen, verzichtet in Texten auf Idyllen des ländlichen Lebens. Und er fügt in seine Produktionen transparent arrangierte Streichersektionen ein. Bald schon wird so Nashville zur Music City ernannt, aus der bekannte Country-Namen wie Don Gibson, Jim Reeves oder Patsy Cline hervor gehen. Bis heute gilt Nashville als die Country City, die mittlerweile auch sogenannten Alternative Country-Bands wie Lambchop Platz bietet.

Dabei haben sich zwei weitere Städte als Nebenbuhlerinnen etabliert. In Bakersfield, Kalifornien wird der smarte Nashville Sound von Merle Haggard und Buck Owens kontrastiert. Die Arbeiterstadt pflegt an den Wochenenden der 50er und 60er Jahre hartgesottene Partys zu feieren, und diese Rauhbeinmusik der Honky Tonks ist Haggard und Owens anzuhören.

In den 70er Jahren wird Austin, Texas als dritte große Stadt des Country berühmt. Hier wenden sich Willie Nelson und Jerry Jeff Walker dem Rock als zusätzlichem Einfluss zu und thematisieren auch die Widersprüche von "God's Own Country". Als solches verstehen sich die Vereinigten Staaten bereist seit den Landungen der so genannten "Pilgerväter" aus England, und bis heute pflegt Country Music die Verhältnisse in diesem Land zu beschönigen. Jüngstes Beispiel ist Garth Brooks, ein Millionenverkäufer und kaum zu erschütternder Patriot. Doch Country ist weitläufig genug, auch immer wieder kritischen Stimmen wie Nelson oder auch Johnny Cash zu Ruhm zu verhelfen.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Kinky Friedman, Kitty Wells, Tammy Wynette, Emmylou Harris, Roy Acuff, Kenny Rogers, Marty Robbins

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Chet Atkins: Finger Style Guitar [1956]
Hank Williams: I Saw The Light [1956]
Jim Reeves: We Thank Thee [1962]
Merle Haggard: Sing Me Back Home [1964]
Buck Owens: I' ve Got A Tiger By The Tail [1965]
Johnny Cash: At San Quentin [1969]
Dolly Parton: Jolene [1974]
Patsy Cline: Through The Eyes Of Patsy Cline [2002]